Die Mayer-Orgel in der Pfarrkirche St. Ludwig Saarlouis

Historie zur Orgel in St. Ludwig

Auszug aus der Geschichte der katholischen Pfarrei St. Ludwig in Saarlouis von Dr. Severin Delges, Erscheinung des Buches an Pfingsten 1931; Fortführung durch Dechant Heinrich Unkel, August 1952 und Marga Blasius, Februar 1985.

1933 schreibt Dr. Serverin Delges:

„Es konnte nicht festgestellt werden, wer die erste Orgel geliefert hat. Wahrscheinlich aber der Orgelbauer Johann Bramer aus Cornelimünster bei Aachen, der sie nämlich 1706 für 180 livres ausbessern musste. Die Orgel ist sodann 1766 durch Bartholomäus Chevreux aus Busendorf für 300 frcs. gründlich repariert worden, später wieder 1806 durch einen gewissen Geiß aus Frankenthal oder Zweibrücken für 1.100 frcs. Um die Orgel vor Staub zu schützen, ließ man 1766 das über dem Portal angebrachte Ochsenauge durch ein Fenster abschließen und dieses mit einem Drahtgitter versehen. 1740 wurde der Eingang zur Kirche und Galerie der Orgel ausgebessert zum Teil erneuert und mit Verzierungen versehen.“

1945 schreibt Dechant Heinrich Unkel:

... durch einen Granateinschlag war das Gewölbe über der Orgel eingestürzt, die Sakristei durch Beschuss zum größten Teil zerstört …“

1985 schreibt Marga Blasius:

„Einen Tag der Freude beging die Pfarrgemeinde St. Ludwig am Tag der Orgelweihe, am 29. März 1980. Festliche und der Bedeutung des Tages angepasste Orgelmusik erklang am Samstagnachmittag im raumfüllenden Ton der Saarlouiser St. Ludwigskirche. Unter starker Anteilnahme der Pfarrangehörigen und in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste aus dem öffentlichen und kirchlichen Leben erhielt die neue Orgel ihre kirchliche Weihe. Mit der „Jahrhundertanschaffung“ erhielt das 1970 erstellte neue Kirchenschiff sein Herz. Die Orgel zählt zu den größten und leistungsstärksten Kirchenorgeln im Saarland. Mit ihren 44 klingenden Registern und 4 Registerfamilien ermöglicht sie eine stilgetreue Wiedergabe von Kirchenmusikliteratur der verschiedenen Stilepochen.

In seiner Begrüßung sagte Dechant Heidger, der auch die Weihe der Orgel später vornahm, die Orgel diene als Musikinstrument dazu, den Menschen Freude zu bereiten und die tieferen Dimensionen unseres Empfinden erleben zu lassen.

Als eine Weihegabe der Menschen an Gott bezeichnete Domkapitular Monsignore Dr. Franz Ronig die neue Orgel. Sie stehe nicht nur in der Kirche und diene nicht nur der Liturgie dieser Kirche, sie sei auch selber ein Stück dieser Kirche geworden. Die Orgel interpretiere die Gedanken und Gefühle der Menschen und des Kirchenjahres. Die Orgel singe aber auch in freiem, wortlosen Jubel zum Preise des Allerhöchsten.

Bei der Orgel, die von der saarländischen Orgelbaufirma Hugo Mayer Heusweiler gefertigt wurde, handelt es sich um eine deutsche Orgel, aufgebaut nach den Gesetzen der Bachorgel. Berücksichtigung fanden dabei aber auch Einflüsse der französischen Orgellandschaft. Von der Größe her kann die neue Orgel der St. Ludwigskirche am ehesten mit der Orgel der Tholeyer Abteikirche verglichen werden“. 

Die "Ludwigs - Orgel" HEUTE 

Das Kirchenschiff wurde 1965 bis 1966 vom bekannten Architekten Prof. Gottfried Böhm hinter der historischen Westfassade der Kirche entworfen und gebaut. Markante Merkmale des Entwurfes sind die polygonale Dachstruktur der Kirchenhalle und die Verwendung von strukturiertem Sichtbeton als Baumaterial. Auch die von Prof. Böhm geplante Kirchenempore prägt als monolithisch wirkendes Objekt den Innenraum. In einzigartiger Weise bildet die Empore aus Sichtbeton die gesamte Silhouette des großen Orgelkörpers ab – gibt ihm einen optischen Rahmen. Nach diesen räumlichen Vorgaben gestaltete Orgelbaumeister Gerd Mayer in Abstimmung mit Prof. Böhm Anfang der achtziger Jahre den Prospekt der Orgel. Durch die klaren und einheitlichen Formen verschmelzen Empore und Orgelkörper zu einer skulpturhaften Einheit. Das Orgelgehäuse, dessen Bild durch die neun Rundtürme geprägt wird, besteht aus massivem Eichenholz. Dieses besitzt eine aufwändige Oberflächenbehandlung. Zuerst wurde eine so genannte Räucherbeize aufgetragen, um das Holz abzudunkeln. Danach erfolgte das Auftragen von Kalk auf die Holzoberfläche. Im Anschluss daran wurde dieser Kalk wieder abgerieben. Dadurch blieben nur in den Holzporen weiß scheinende Kalkreste zurück. Abschließend erfolgte eine schützende Lackierung der Holzoberfläche. Die durch ihre Überlängen sehr elegant wirkenden Prospektpfeifen bestehen aus einer Zinn-Blei-Legierung mit 75% Zinnanteil.

Die Mayer-Orgel von St. Ludwig darf aufgrund ihrer musikalisch, wie architektonisch außergewöhnlicher Qualitäten, als besonderes Kulturgut in der Region bezeichnet werden. Klanglich wurde Sie in der Vergangenheit durch einige Rundfunk-, Schallplatten- und CD-Einspielungen dokumentiert.

Ihre Disposition wurde in Zusammenarbeit von Paul Schneider, Gerd Mayer, Hans-Georg Nicola entworfen.

Die Einweihung fand am 29. März 1980 statt. An der Orgel: Wolfgang Trost (Marpingen) und Dominique Sauer (Merzig).

Die Orgel verfügt über 45 Register, verteilt auf Hauptwerk, Schwellwerk, Rückpositiv und Pedal.

 

Christkönigsonntag, 26. November 2017, 11 Uhr, Festhochamt 

Orgelweihe durch Prälat Dr. Georg Holkenbrink, Bistum Trier

anschließend Orgelkonzert zur Orgelweihe, 19.30 Uhr mit Regionalkantor Armin Lamar 

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